In der angespannten Atmosphäre des frühen Kalten Krieges spielten Spionage und Spionageabwehr eine äußerst wichtige Rolle. Doch abseits der großen Politikgeschichte waren es tausende Menschen, die europaweit – und insbesondere in Österreich und Deutschland – zu Akteuren an der „geheimen Front“ wurden.
Der neue Sammelband rückt genau diese von Geheimdiensten angeworbenen Personen, sogenannte „assets“, in den Fokus. Das Werk geht der Frage nach, wie Spionage auf der Mikroebene in der Realität ablief und wer jene Menschen waren, die unter anderem als Kuriere agierten, Informationen sammelten oder Kontakte herstellten.
Dabei wird mit der gängigen Annahme aufgeräumt, Spione hätten lediglich für finanzielle Gegenleistungen gearbeitet. Die Motivationen waren weitaus vielschichtiger: Anhand des in den Geheimdiensten entwickelten MICE-Modells wird verdeutlicht, dass fast immer eine komplexe Kombination aus materiellen Anreizen (Money), ideologischen Sichtweisen (Ideology), Zwang (Coercion) und Geltungsdrang (Ego) zur Kooperation führte.
Die Beiträge des Buches zeigen eindrücklich, wie sehr diese gefährlichen Tätigkeiten den Konflikt mitprägten und welche gravierenden Folgen sie oft für die Akteure selbst, ihre Familien, Angehörige und ihr gesamtes Lebensumfeld hatten.
Basierend auf einer breiten, teils erstmals ausgewerteten Quellenbasis, entstand dieses Werk als Resultat einer aktiven Kooperation des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung (Graz – Wien – Raabs) und der Gedenkstätte Leistikowstraße in Potsdam. Es bietet einen einzigartigen und unmittelbaren Einblick in die Lebensrealität der Spione an der unsichtbaren Front
(† 2024), PD Dr. phil., Historiker, bis 2024 Head Branch Office Georgia der Max Weber Stiftung in Tbilisi, studierte mittlere, neue und osteuropäische Geschichte
sowie Slavistik und Bibliotheks- und Dokumentationswissenschaften in Köln,
Volgograd und Greystones/Irland. Forschungsschwerpunkte: Geschichte Internationaler Beziehungen seit dem 19. Jahrhundert, Geschichte Russlands und der UdSSR seit dem 19. Jahrhundert, Sicherheitskonzepte und -strukturen in Gesellschaften und Politik seit dem 19. Jahrhundert.
Dr. phil., Historikerin, seit 2008 Leiterin der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam, zuvor langjährige wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen. Forschungsschwerpunkte: Forschungen und Ausstellungen zur Geschichte des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus, zur Rezeption der Widerstandsgeschichtsschreibung in Deutschland, zur Speziallagergeschichte
sowie zur Geschichte der Spionage im Kalten Krieg.
Dr. phil., Historiker, Dozent für Wirtschaftsgeschichte an der TU Berlin
und HTW Berlin. Bis 2019 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte Leistikowstraße
Potsdam. Projektmitarbeiter in der Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße
54/55 Potsdam. Forschungsschwerpunkte: deutsche Zeit- und Wirtschaftsgeschichte,
Sowjetischer Geheimdienstapparat in der SBZ/DDR 1945–1955, Spionage im Kalten
Krieg sowie Luftfahrtgeschichte.
Mag. phil., Historiker, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte der Universität Graz und dem Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung, Graz. Forschungsschwerpunkte: Aktivitäten von Geheim- und Nachrichtendiensten
in Österreich während des Kalten Krieges, Lager im Nachkriegsösterreich.
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